Die Hashtags #vsco und #vscocam erreichen zusammen über 300 Millionen Tags auf Instagram, da sollte man vermuten, dass es im Netz Dutzende Anleitungen gibt, wie man das Beste aus der App herausholt. Zumindest im deutschsprachigen Raum herrscht hier allerdings Fehlanzeige – Grund genug für uns, die beliebte App vorzustellen und beim Einstieg zu helfen. Aber was ist VSCO und warum wird es von Millionen genutzt?

Einstieg in VSCO

Beim ersten Starten der App fühlt man sich an Instagram erinnert, denn klassische Funktionen wie die Suche nach zum Beispiel #fashion oder #interior liefern entsprechende Ergebnisse. Schnell wird aber klar, dass VSCO sich an eine andere Zielgruppe richtet und zwar Fotografen und solche, die es werden wollen hier steht zu 100% die Qualität der Bilder und ihre Bearbeitung im Vordergrund. Dies zeigt sich bei der Suche, denn hier kann man sich die Ergebnisse in drei Kategorien anzeigen lassen: Nutzer, die in ihrem Profil das Keyword angeben, Bilder, die mit dem Keyword vertaggt sind und Journale. Bei Letzteren haben VSCOler die Möglichkeit, eine eigene Galerie zu kuratieren und Stellung zu nehmen zu ihrer Auswahl. Journale sind ein Herausstellungsmerkmal bei VSCO, denn als Fotograf kann man seine eigenen bearbeiteten Bilder hier künstlerisch in einem Feed anordnen und mit Text versehen. Zugegeben, erfolgreiche Instagramer achten auch auf einen visuell eingängigen und ansprechenden Feed, die Journale stellen allerdings in sich abgeschlossene Galerien dar, in denen Künstler sich einem speziellen Thema widmen können. Durch die Journale wird schnell klar, dass die Teilnehmer dieser Community sich eine etwas exklusivere Atmosphäre wünschen, die, ähnlich einem Museum, den Bildern an sich mehr Raum bietet.

Die Journale dienen VSCO auch noch zu einem weiteren Zweck, nämlich die Community zu motivieren an aktuellen Events teilzunehmen – zum Beispiel wurden dieses Frühjahr regelmäßig Journale zu den weltweit stattfindenden Fashion Weeks veröffentlicht, in denen selektierte VSCOler und eine Auswahl ihrer Bilder zu dem entsprechenden Event der Gemeinschaft vorgestellt wurden. Dieser Einsatz zeigt, dass sich die Macher der App aktiv dafür einsetzen, die Community ständig zu beleben und Anreize zur Mitarbeit und zum Austausch zu geben.

Kommunikation in VSCO – Liken und Kommentieren

Um die exklusive Ausrichtung der Community zu gewährleisten und sich weiter von anderen Social Media Apps zu distanzieren, lässt VSCO ein übliches Feature wie Kommentare unter Fotos nicht zu. Stattdessen kann man Bilder liken und, wenn man möchte, in seinem eigenen Feed veröffentlichen, um dem Autor mehr Aufmerksamkeit zu ermöglichen. Wenn man ein Bild liked oder im eigenen Feed teilt, erhält der Autor eine Benachrichtigung dazu, es gibt allerdings keine öffentliche Anzeige, wie viele Likes ein Bild erhalten hat. Hier verschiebt sich der Fokus vom Wettbewerb um möglichst viele Likes hin zu den Bildern an sich. Natürlich gibt es die Option, seinen Lieblingsfotografen zu folgen und immer auf dem neuesten Stand zu bleiben, aber VSCOs Anspruch ist nicht, Chats zu ermöglichen und zu fördern – dementsprechend gibt es keine Möglichkeit, private Nachrichten zu versenden. Stattdessen verlinken viele Nutzer die eigenen Blogs im Profil, falls man Kontakt aufnehmen möchte.

Gegründet in 2011 hatte die App in 2016 bereits 30 Millionen Nutzer, von denen fast 90% Millennials und 70% täglich aktiv sind.

VSCO richtet sich zwar an Profis wie Amateure, aber das spartanische Design und die exklusive Atmosphäre, die kaum vorhandenen Kommunikationsmöglichkeiten und das Desinteresse an der Veröffentlichung von Followerzahlen der Profile grenzt es klar von Plattformen wie Instagram ab. Während Instagram Menschen weltweit zu nahezu allen Themen inspiriert und informiert, konzentriert VSCO sich auf all jene, die fasziniert mit Fotografie sind oder lernen möchten und gibt ihnen eine Plattform zum Lernen und Erkunden. VSCO ist damit vergleichsweise nicht besser oder schlechter als Social Media Plattform, es ist einfach für einen wesentlich kleineren Kreis an Menschen gedacht, die alle eine Passion teilen – die Fotografie. Und genau dazu kommen wir jetzt, dem Herzstück der App.

Bildbearbeitung mit VSCO – Mobil

Mit VSCO kann man Bilder entweder am Rechner oder mobil bearbeiten. Fotografieprofis und solche, die es werden wollen, schätzen mobil das minimalistische Design der App, das den Fokus auf die Bilder selbst legt. Und hier liegt auch der Hauptgrund, warum VSCO so enorm beliebt ist – die Bilder und die Werkzeuge bzw. Filter, die die App zur Verfügung stellt. Doch was bietet VSCO seinen Nutzern? In der kostenlosen Version kann man sich zunächst mit der App vertraut machen, Bilder und Journale hochladen und mit den bestehenden Filtern und Werkzeugen die eigenen Bilder bearbeiten. Man kann zum Beispiel die Bildschärfe ändern, den Sättigungsanteil verschieben, Körnungseffekte einbauen, Schatten- sowie Lichtfarben kalibrieren und vieles mehr. Die App bietet insbesondere im direkten Vergleich zu Instagram viel mehr Möglichkeiten, einen eigenen Stil zu entwickeln und diesen auf Fotos auszudrücken. Auch die bestehenden Filter sind eine hervorragende Hilfe, um den eigenen Stil zu finden oder neue Inspiration zu finden. Wer möchte, kann sich noch mehr Filter dazukaufen, um die eigenen Bilder noch weiter zu verfeinern.

Außerdem bietet VSCO regelmäßig umsonst neue Filter an, die durch Kooperationen mit berühmten Fotografen, Brands oder Magazinen entstanden sind. Im Juli zum Beispiel konnten sich die Nutzer drei neue Filter runterladen, die durch eine Kooperation mit Oakley entstanden sind. Wirklich Interessierte und Fortgeschrittene erschöpfen aber selbst mit diesen Filtern sehr schnell die Möglichkeiten der Gratisversion und wollen mehr.

Einen Schritt weiter mit VSCO X

Wer richtig einsteigen will, ist mit VSCO X gut beraten. Dabei handelt es sich um ein Abo, dass einem Zugriff auf eine mobile Bibliothek von über 100 Filtern ermöglicht, die man sich sonst einzeln zusammenkaufen müsste. Dazu gibt es noch ein paar exklusive Filter, die nur für Abonnenten verfügbar sind. Obendrauf gibt es noch Film X, ein Tool, mit dem man noch mehr Werkzeuge erhält und noch gezielter die eigenen Fotos bearbeiten kann. VSCO X kostet übrigens 19.99$ pro Jahr, mit weniger als 2$ im Monat ist es also sehr erschwinglich. Wer längerfristig mit VSCO arbeitet und von den Filtern begeistert ist, erkennt schnell, dass man hier ein echtes Schnäppchen macht, denn der Wert der einzelnen Filter ist wesentlich höher als der einmalige Jahrespreis. Natürlich gibt es noch weitere Vorteile, wie lehrreiche Videos und Einladungen zu Community Events, aber das Herzstück von VSCO X sind die Filter für die mobile App, Film X und die Möglichkeiten, die sich damit auftun.

Bildbearbeitung mit VSCO – Desktop

Echte Profis arbeiten mit verschiedenen Programmen und haben hohe Ansprüche an Bildbearbeitungssoftware. Deswegen bietet VSCO neben den in-App-Filtern auch Filter für Desktop Anwendungen wie Lightroom und Adobe Camera Raw an, mit benutzerdefinierten Kameraprofilen für Fuji, Sony, Canon, Leica, Nikon und Olympus. Diese Filterpakete sind themenbasiert zusammengestellt, das „Alternative Process Films“ Paket z.B. ist ideal geeignet für Außenshots, Lifestyle Fotografie, moderne Porträts und sonnendurchflutete Umgebungen. Gemeinsam haben alle Filter (mobil wie desktopbasiert), dass sie der Bildsprache und Farbsättigung alter, analoger Filme nachempfunden sind. Die verschiedenen Pakete beinhalten in der Regel 12-15 Filter und kosten alle 59$. Mit Lightroom und Camera Raw als den wohl beliebtesten Bearbeitungsprogrammen und der Möglichkeit, die VSCO Filter problemlos zu nutzen, ergibt sich hier die perfekte Symbiose: Entweder man bearbeitet seine Bilder direkt auf dem Smartphone mit den In-App-Filtern oder legt später am Rechner noch den letzten Feinschliff an.

Das immer weiter wachsende Interesse an Filtern zeigt sich bei immer mehr Influencern, die auf Nachfrage ihrer Fans inzwischen auch ihre eigenen Lightroom Presets verkaufen – wie z.B. das Instagram-Pärchen A New Kind of Love, wie sie uns im Interview verraten. Da VSCO die Popularität der mobilen Filter erkannt hat, bietet es seit Kurzem auch ein Paket mit 58 Originalfiltern aus der App für die Desktop Anwendungen an.

Abschließende Worte

VSCO bietet Einsteigern und Profis auf allen Ebenen Vorteile. Wer möchte, kann sich in der kostenlosen Version einen eigenen Feed aufbauen und unbegrenzt Inspiration holen, Journale lesen und mit den Gratisfiltern neue Bearbeitungstechniken ausprobieren. Auch Profis haben hier die Möglichkeit, sich einer interessierten Community zu präsentieren und den eigenen Blog zu bewerben. Durch VSCOs Anbindung an Facebook, Twitter, Instagram, Line, Tumblr und Weibo ist auch das Teilen auf anderen Social Media Plattformen leicht möglich. Wer dann richtig einsteigen möchte, kann entweder mit VSCO X seine mobilen Aufnahmen direkt und sekundenschnell perfektionieren oder mit den desktopbasierten Preset-Paketen für Lightroom und Adobe Camera Raw richtig in die Tiefe gehen. Durch das kostengünstige VSCO X nutzen die meisten VSCOler vermutlich eine Kombination dieser Möglichkeiten, denn immer mehr Influencer auch auf Instagram nutzen Lightroom und Co. – man bleibt also immer flexibel und kann mobil sowie am Rechner die Fans mit Fotos begeistern. Durch die Kooperationen VSCOs, neue Filter und die Möglichkeit, in einem Journal gefeatured zu werden, bleibt man als VSCOler immer interessiert und eingebunden in die Community.

Exklusivität hat allerdings auch ihren Preis und den bezahlt man als Anfänger, wenn man nicht schon vor Benutzung der Software überzeugt ist von VSCO. Sowohl die App als auch die Website bieten fast keine Hilfestellung beim Einstieg an, man ist nahezu alleingelassen dabei, sich zurechtzufinden. Startet man zum Beispiel auf www.vsco.co mit der Option die Community zu erkunden, landet man auf einem scheinbar willkürlich zusammengesetzten Feed aus Bildern von VSCOlern und klickt sich dann durch die Fotos durch. Durch die fehlenden Kommentare oder Followerzahlen hat man dann auch keine Anhaltspunkte, welcher der Nutzer regelmäßig guten Content hochlädt und wer nicht. Außerdem kann man am Desktop Nutzern nur folgen, wenn man liken oder reposten möchte, geht dies nur in der eigenen Galerie in der App – dafür kann man am Desktop das Bild per Facebook, Twitter, Pinterest oder Email teilen. Einen besseren Überblick über den eigenen Feed erhält man allerdings wiederrum nur am Rechner, wo man mehrere Bilder nebeneinander stellen kann, wohingegen der mobile Feed nur ein Bild zulässt. Diese kleinen Widersprüche sind am Anfang etwas hinderlich, aber wer sich durchbeißt wird belohnt mit einer Software, die enormes Potenzial hat und einer Community, die sich mit professionellem Interesse untereinander austauscht, Kontakte pflegt und als unendlicher Quell an Inspiration dient.

 

*Aktuelle Zahlen zum Redaktionsschluss