Börsenneuling Snapchat hat am 21. Juni 2017 sein neues Feature ‚Snap Maps‘ vorgestellt. Mit der neuen Karten-Funktion hat der Snapchat-User die Möglichkeit, den eigenen Standort freizugeben und gleichzeitig auch zu sehen, wo sich seine Freunde befinden. Laut dem Unternehmen aus Venice Beach soll es damit leichter werden, spontane Treffen zu ermöglichen. Die User haben dabei die Möglichkeit, den eigenen Standort öffentlich, nur mit Freunden oder gar nicht zu teilen.

Für die Entwicklung des neuen Feature ist maßgeblich das französische Startup Zenly verantwortlich, welches von Snapchat für mehrere hundert Millionen Dollar aufgekauft wurde. Die Nutzung ist denkbar einfach: Im Kameramodus zieht man zwei Finger in die Mitte zusammen, wie beim Zoomen mit der Handykamera. Sofort erscheint der eigene Standort auf einer Karte, die man beliebig weit vergrößern und verkleinern kann.

Mit Heatmaps Events entdecken

Neben den Standorten von Privatpersonen werden auch sogenannte Heatmaps angezeigt. Auf der Karte sieht man anhand der Heatmaps, wo sich größere Ansammlungen von Menschen befinden – etwa bei Konzerten, Festivals, auf Messen oder bei anderen Großveranstaltungen. Tippt man die Heatmap an, kann man ein Sammelsurium an Snaps von ebenjenen Events anschauen. So kann man sich auch von zu Hause auf der Couch live Eindrücke von einem Konzert in den USA anschauen, bei einer Messe im Vatikan teilnehmen oder einfach nur zuschauen, was auf anderen Flecken der Erde gerade passiert.

Wer selbst auf einem Event ist, kann in „Unsere Story“ posten, der gemeinsamen Snapchat-Story aller User. Anhand der Geolocation werden die Snaps einem Event auf der Heatmap zugeordnet und erscheinen dort für andere User sichtbar. Für Influencer eine Möglichkeit, User der eigenen Zielgruppe zu erreichen und für sich zu gewinnen.

Angst vor Stalking und Mobbing

Die größte Kritik an Snapchats neuer Funktion ist bisher die Möglichkeit, auch unfreiwillig gefunden zu werden. Einmal aktiviert, fragt die App nicht erneut danach, ob und mit wem man den Standort teilen möchte – das kann man zwar in den Einstellungen jederzeit neu festlegen, muss aber proaktiv geschehen. Ohne erneute Einwilligung wird der eigene Standort aber bei jedem neuen Öffnen der App aktualisiert. Entsprechend sollte bei der Einstellung, wer den eigenen Standort sehen darf, genau überlegt werden. Die sehr genaue Anzeige des Aufenthaltsortes, gepaart mit Aussagen in Snaps wie „Heute bin ich alleine zu Hause!“ oder „Meine Eltern sind im Urlaub und ich gehe jetzt auf eine Party!“ sind das reinste Paradies für Stalker und Kriminelle. Entsprechend ist Vorsicht angebracht und ein bewusstes Nutzen der Funktion.

Snap Maps als Abgrenzung zu Insta Stories

Mit dem neuen Feature erhofft sich Snapchat, eine Abgrenzung zu Instagram zu schaffen. Die Plattform hatte bisher jede Snapchat-Neuheit umgehend auch in ihren Stories angeboten und damit dafür gesorgt, dass sich das Wachstum an Snapchat-Usern verlangsamt. Ob die neue Funktion auch für Instagram interessant ist, ist derzeit noch fraglich. Snapchat ist deutlich mehr auf den persönlichen Beziehungen der User untereinander aufgebaut – so soll mit Snap Maps auch die private Interaktion und spontane Treffen von Snapchat-Freunden gefördert werden. Auf Instagram dagegen folgt man oftmals sehr vielen Leuten, die man im echten Leben nicht kennt. Entsprechend sollte die Maps-Funktion für Instagram nicht so relevant sein, wie für Snapchat.