„Coincidences“ ist mein Liebesbrief an New York sowie an die unendliche Anzahl von  flüchtigen, zufälligen und magischen Momenten, die diese zu einer Stadt machen, die anders ist als alle anderen.“

Wenn das Unvorhersehbare mit einer sich ständig verändernden Umgebung einer so lebendigen Stadt wie New York sowie dessen Bewohnern kollidiert, dann können magische Momente entstehen. Um so erstaunlicher ist es die Fähigkeit zu besitzen, diese einzigartigen Augenblicke mit einer Kamera rechtzeitig einzufangen. Mit seiner fortlaufenden Serie „Coincidences“ hat der renommierte Straßenfotograf Jonathan Higbee bewiesen, dass er nicht nur viel Geduld, sondern auch ein bemerkenswertes Auge hat, um genau diese Szenen von New Yorks Straßen festzuhalten. Rein durch einen Zufall hat Jonathan seine ganz eigene Ausdrucksform gefunden, um das hektische Leben in der Großstadt für eine kurze Zeit zu entschleunigen sowie flüchtige Momente zu dokumentieren.

Sofort waren wir gefesselt und wollten mehr über seine Arbeit sowie seine Leidenschaft für die Straßenfotografie herausfinden. Seid ihr neugierig geworden, was genau Jonathans Fotos auszeichnen? Dann lest einfach selbst…

Geboren sowie aufgewachsen ist Jonathan in einer kleinen Stadt in Nordwest-Missouri. Schon seit jüngster Kindheit ist er oft mit seinen Eltern umgezogen – was sich bis ins Erwachsenenalter durchzog. Jonathan selbst bezeichnet sich gern als rastlosen Nomaden. Seine erste Kamera (eine Polaroidkamera) bekam er bereits zu seinem achten Geburtstag geschenkt und obwohl die Fotografie für ihn lange Zeit nur ein Hobby war, hat er trotzdem schon früh den unabdingbaren Wunsch verspürt, sein Leben der Fotografie zu widmen. Doch zunächst zog es ihn mit 17 Jahren nach Los Angeles, um dort Kommunikation und Medien zu studieren. Nach seinem Studium begann Jonathan seine Karriere als Redaktionsassistent beim Instinct Magazine. Er stieg schnell auf und wurde Reisekorrespondent, was ihm ermöglichte mit seiner Kamera die Welt zu entdecken. In diesem Job war Jonathan verantwortlich für die umfangreiche Produktion von internationalen Reisebeiträgen. Während dieser Zeit hielt es ihn folglich nicht lange an einem Ort, sodass er Städte wie Detroit, Chicago und Seattle nur für kurze Zeit sein Zuhause nannte. Wie es der Zufall dann aber so wollte, wurde er 2013 nach New York versetzt und er verliebte sich sofort in die Stadt. Zum ersten Mal in seinem Leben hatte er nicht den Drang, wieder einmal die Zelte abbrechen zu wollen. Um sein neues Zuhause besser kennenzulernen, schlenderte Jonathan täglich mit der Kamera durch die Metropole.

„Die Reisefotografie ist eine Kunstform, die mich gefesselt hat. Aber als ich nach New York gezogen bin und meine Nachbarschaft mit der Kamera erforschte, war mein Schicksal sofort besiegelt.“Jonathan Higbee | Quelle: itsnicethat.com

Zunächst beschäftigte sich Jonathan mit der urbanen sowie abstrakten Architekturfotografie, doch durch einen Zufall sollte sich für den leidenschaftlichen Fotografen alles ändern. Denn als Jonathan eines Tages einen U-Bahn-Eingang fand, der eine klare, gläsernde Decke hatte, machte er Aufnahmen von den sich im Glas spiegelnden Gebäuden. Er nahm sich etwas mehr Zeit, um die Szenerie zu fotografieren. Als er dann nach Hause kam, um die Bilder vom Tag zu bearbeiten, fiel ihm ein kleines, aber wichtiges Detail auf. Er sah etwas, was er beim Fotografieren nicht bemerkt hatte: In einer seiner Aufnahmen vom U-Bahn-Eingang griff ein Mann nach der Hand seines Freundes, um ihn zu bremsen, gerade als die beiden die Ränder der reflektierten Wolkenkratzer erreichten. Das war ein atemberaubender Moment für Jonathan. Sein Foto erzeugte eine einzigartige Komposition, die nur aus einem kurzen Moment entstanden war – in der sich alle Elemente perfekt zusammenfügten. Jonathan war sofort begeistert und er verspürte das Verlangen die Stadt zu erkunden, in der Hoffnung, mehr von diesen zufälligen Ausschnitten mit der Kamera einfangen zu können.

In den Jahren, in denen er nach diesen Momenten jagte, brauchte Jonathan viel Geduld. Er entwickelte ein scharfes Auge sowie einen Sinn für unerwartete Zufälle, die sich unter Umständen entwickeln könnten. Während er auch heute seine täglichen „Photo Walks“ auf der Straße absolviert, achtet er stets auf bestimmte Elemente, die ihm ins Auge stechen. Dies kann zum Beispiel eine Reklametafel, Straßenkunst oder sogar die Schatten bestimmter Wolkenkratzer oder Gebäude sein – er hält immer Ausschau nach guten Lichtverhältnissen und hofft, dass sich unerwartete Momente ergeben könnten. Oft nimmt er sich viel Zeit, um den besonderen Ort zu observieren, zu dem er sich hingezogen fühlt. Er untersucht dann bestimmte Kamerawinkel, überprüft den Fußverkehr und betrachtet das Licht. Jonathan entscheidet dann, ob es sich lohnt, für einen „Photo Wait“ zurückzukommen. Manchmal kehrt er monatelang an den gleichen Ort zurück, bis er endlich den einen Schnappschuss bekommt, auf den er so sehnsüchtig gewartet hat. Doch oft ist es eine sehr entmutigende Aufgabe, denn nur für einen kurzen Moment müssen alle Faktoren stimmen – was dementsprechend natürlich nur sehr selten gelingt. Und so ist Jonathan oft so sehr frustriert, dass er tagelang nicht die Wohnung verlässt. Doch der Drang nach dem Glücksgefühl, den richtigen Zeitpunkt abgepasst zu haben und mit dem perfektem Foto nach Hause zu gehen, ist immer größer als die frustrierende Warterei. Es gehört eine unglaubliche Portion Geduld sowie auch eine kleine Prise Glück dazu, aber am Ende sind es die richtigen Personen und die Magie einer Großstadt wie New York, welche die Geschichten in seinen Bildern erzählen.

„Es geht darum, seine eigene, einzigartige Stimme zu finden! Das macht Kunst in jeder Art so interessant: Die persönliche Stimme des Künstlers ermöglicht es uns allen, die Welt auf völlig neue Weise zu erleben, aus einer erfrischenden Perspektive.“Jonathan Higbee | Quelle: 121clicks.com

Jonathan Higbees Straßenfotografie wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Hauptpreis der World Street Photography 2015, einem Street Photography Award für LensCulture 2016 sowie vielen mehr. Er hat bereits in Galerien auf der ganzen Welt ausgestellt, unter anderem in New York, Hamburg und Paris. Mit seiner inspirierenden Herangehensweise an die Fotografie sowie seiner einzigartigen Arbeit hat sich Jonathan Higbee eine große Fangemeinde aufgebaut. Auch wir können ohne Zweifel sagen, dass wir große Fans sind. Wenn auch euch seine Fotos beeindruckt haben, dann findet ihr auf seiner Website und auch auf seinem Instagram Channel mehr von Jonathans Arbeit.

 

*aktuelle Zahlen zum Redaktionsschluss

Copyright: Alle Bilder sind urheberrechtlich geschützt und Eigentum von Jonathan Higbee.