Es gibt wohl kaum ein Blog-Phänomen, das in den letzten Jahren so stark durch die Decke gegangen ist, wie die Food Blogs. Der Trend wirkt höchst ansteckend –angesichts dekorativ angerichteter Avocado-Toasts, Latte-Art auf dem morgendlichen Cappuccino zum Wachwerden oder einem mehrstufigen Burger, der schon fast einem Kunstwerk ähnelt, zücken User weltweit tagtäglich ihre Smartphones, um die Speisen innerhalb der Networks mit Freunden oder Followern zu zelebrieren. Da trennt sich dann allerdings ganz schnell die Spreu vom Weizen. Denn Food-Fotografien, die einen dazu hinreißen das Rezept direkt nachzukochen, wollen gelernt sein.

Beim Scrollen durch unseren Instagram-Feed sind wir auf die gebürtige Mexikanerin Daniela Constantini gestoßen, die genau diese Kunst beherrscht mit ihren Food-Fotografien zu begeistern. Eine studierte Fotografin, die ihren gleichnamigen Blog als Portfolio für ihre Arbeit nutzt und fast täglich ihre beliebten Frühstücksbilder mit ihren Followern teilt. Ihre Bilder heben sich ab, denn anstatt der bekannten, bunten Frühstücks-Bowls oder der beliebten Avocado-Toasts, sind Danielas Bilder meist in einer dunkleren Lichtstimmung gehalten. Wir haben Daniela zum Interview gebeten und wollten wissen: Wie kam sie zu ihrer Bestimmung tagtäglich Speisen gekonnt in Szene zu setzen, was treibt sie immer wieder aufs Neue an und wie sieht ihr typischer Alltag rund um ihre inspirierenden Bilder aus?

Stell dich doch bitte zu Beginn einmal vor und erzähl uns ein bisschen über dich.

Mein Name ist Daniela Constantini, ich bin Fotografin und wohne in Bern in der Schweiz. Geboren und aufgewachsen bin ich aber in Mexiko Stadt. Ich habe ursprünglich Kommunikation mit Hauptfach Journalistik studiert und obwohl ich sehr gerne schreibe, wurde mir 2015 klar, dass ich beruflich als Fotografin arbeiten wollte.

Wann bist du nach Bern gezogen? Warum hast du Bern und die Schweiz vorerst als deinen Wohnort ausgewählt?

Ich bin im Mai diesen Jahres nach Bern gezogen. Mein Verlobter ist gebürtig aus Bern. Wir haben beide in New York City gelebt, als wir uns kennenlernten und sind dann aber irgendwann an den Punkt gekommen, wo wir entscheiden mussten, ob wir weiter in New York bleiben, nach Mexiko Stadt ziehen oder gar in Bern unsere gemeinsame Zeit verbringen wollten. Gewisse Umstände brachten uns dazu Bern zu wählen und jetzt bin ich sehr froh hier zu sein.

 

Erzähl uns mehr darüber, wo du lebst und wie ein typischer Tag bei dir aussieht?

In Bern ist jeder Tag sehr ruhig. So sehr ich New York auch liebte, so sehr ermüdete die Stadt mich auch und deshalb brauchte ich definitiv ein bisschen Ruhe in meinem Leben – eine kleinere Stadt, in der ich mich sofort wohl fühlte.
Es gibt Tage, da bin ich unglaublich kreativ und dann fotografiere ich mein Frühstück, erstelle draußen Cinemagrams (Standbilder, die eine oft kleine, sich wiederholende Bewegung enthalten) oder recherchiere für eigene Projekte. Zum Beispiel interessiere ich mich sehr für die Dokumentarfotografie, eine weitere Seite meiner Leidenschaft zur Fotografie. Die Dokumentarfotografie ist allerdings sehr zeitintensiv, denn sie erfordert viel Recherchearbeit, um Themen zu finden, die hierfür abgelichtet werden können und ist überhaupt eine große Herausforderung. Aber ich habe auch Tage, an denen mein Bett und mein Sofa die besten Orte der Welt sind und ich mich kaum bewege.
„Fotografie fühlt sich nicht nach Arbeit an.“Daniela Constantini

Wann kamst du zum ersten Mal mit der Fotografie in Berührung? Wie hat alles angefangen?

Ich war ungefähr 11 oder 12 Jahre alt, als mir mein Vater eine lilafarbene Kompaktkamera aus unserem nächstgelegenen Supermarkt kaufte. Zu Anfang war ich allerdings nicht besonders gut, hörte aber trotzdem nie auf Fotos zu machen. Daran gedacht die Fotografie zum Beruf zu machen, habe ich allerdings nicht, da ich mir auch nicht wirklich vorstellen konnte, dass sich meine Fotokenntnisse verbessern würden. Als ich dann aber mit Anfang 20 meinen ersten Fotoworkshop belegte, wurde ich langsam besser. Im Jahr 2015 bekam ich von der Columbia University in New York eine Absage, an der ich eigentlich einen Masterstudiengang in Journalistik belegen wollte. Da ich aber ein sehr ehrgeiziger Mensch bin und New York City immer ein Traum von mir war, wollte ich nicht aufgeben. Ich dachte zurück an die Fotografie und die Ablehnung der Columbia fühlte sich wie ein Weckruf an. Also bewarb ich mich kurzerhand an der International Center of Photography Schoolund wurde nur kurze Zeit später bereits angenommen. Seitdem ist die Fotografie zu meinem Beruf geworden und ich bin sehr glücklich darüber. Es gibt eigentlich nie einen Auftrag, der mir keinen Spaß macht, was als Journalistin z.B. schon eher der Fall war – Fotografie fühlt sich nicht nach Arbeit an.

Wann hast du angefangen deine Arbeit auf deinem eigenen Blog zu zeigen?

Meine erste Website bzw. meinen Blog entwarf ich im Jahr 2013. Ich machte Videos, in denen ich Leute interviewte, die ihren Job liebten und nannte das Projekt „Gente Bonita“ (Schöne Leute). Die Videos gibt es nicht mehr, aber die Idee dahinter gefällt mir immer noch sehr und ich hoffe, dass ich das irgendwann noch einmal fortsetzen kann. Den Blog auf meiner aktuellen Website gibt es noch nicht lange, um genau zu sein seit diesem Jahr. Ich habe mich dazu entschlossen dort eine größere Auswahl an Fotos als auf Instagram zu posten.

Wie würdest du die Philosophie und den Inhalt deines Blogs beschreiben?

Zeitlos, ehrlich, poetisch und mit einem Hauch von magischer Realität.

 

Wie lange hast du gebraucht, um professionelle Fotografin zu werden?

Seit 2015 ist die Fotografie mein Beruf.

Was ist deine Motivation und was versuchst du mit deinen Bildern auszudrücken?

Andere Fotografen sind meine Motivation. Ich bin fast täglich auf der Suche nach neuen Werken und Inspirationen. Ich stoße auch auf Fotografen, deren Arbeit ich bewundere und versuche dann herauszufinden, auf welche Weise sie zum Beispiel das Licht nutzen. Während ich dann herumexperimentiere, finde ich andere Wege, meine ganz eigene Geschichten zu erzählen. Ich suche immer nach Licht, Strukturen und düster wirkenden Szenerien. Meine Fotos sollen den Wunsch entstehen lassen, an den Ort oder in die Szene des Bildes eintauchen zu können und davon gefangen zu werden.

 

Dein Fokus liegt momentan darauf, deinen Followern Food-Fotografie zu zeigen, die einem wortwörtlich das Wasser im Mund zusammen laufen lassen. Warum hast du angefangen dein Essen abzulichten?

Ich war noch nie ein Frühaufsteher, früh aufzustehen ist eine große Leistung, eine bewusste Überwindung. Aber nach einer schlimmen Lebererkrankung, fand ich Gefallen an den frühen Morgenstunden, als wäre ich immer schon ein „Frühstücker“ gewesen. Also begann ich nach meiner Genesung früh aufzustehen und mittlerweile gefällt mir meine Morgenroutine sehr. Seitdem fotografiere ich mein Frühstück und teile es auf Instagram.

Wie kommst du immer auf neue Ideen, neue Orte und neue Inszenierungen für deine Fotos?

Ich liebe es in Second-Hand-Geschäfte zu gehen, dort finde ich zeitlose Requisiten und mein Kopf beginnt sofort sich auszumalen, wie ich neue Szenarien erschaffen kann. Außerdem bin ich immerzu auf Instagram, Tumblr und auf Webseiten unterwegs, von denen ich mich inspirieren lasse und greife dort frische Ideen auf.

 

Was sind deine wichtigsten Arbeitsutensilien – Dinge, ohne die du nicht leben könntest?

Nachdem ich aus New York weggezogen bin und damit einige Requisiten und Unterlagen zurücklassen musste, bin ich lediglich mit meiner Kamera nach Bern gekommen. Nach und nach habe ich andere Requisiten gefunden und gemerkt, dass Dinge immer austauschbar sind – heute weiß ich, dass ich nur meine Kamera brauche.

Hast du eine Methode, wie du deine Bilder bearbeitest?

Ja, ich habe einen Ablauf, aber die größte Arbeit ist meist die Anordnung der Kulisse, die ich fotografieren will. Die Suche nach dem richtigen Licht, den richtigen Requisiten, der richtigen Farbeinstellung, der Kleidung, dem Essen… Sobald ich mich dann hinsetze, weiß ich auch, was ich zu korrigieren habe bzw. was verbessert werden muss.

 

Wann hast du mit Instagram angefangen und warum sollten wir dir folgen?

Ich weiß es nicht mehr genau, ich glaube 2012. Neue und bereits aktive Follower können einiges an Leidenschaft bei mir finden. Ich hoffe natürlich auch, dass sie die Hingabe spüren, die ich in jedes meiner Bilder stecke und ich liebe gutes Frühstück, also das wäre auch ein Grund (hahaha).

Als letzte Frage würde unsere Leser sicherlich interessieren, mit welchen Kunden und Marken du bislang schon zusammengearbeitet hast?

Die meisten Kooperationen, die ich bislang gemacht habe, haben sich auf das Thema Essen bezogen. Also habe ich mein Frühstück angeordnet und dann einen Weg gefunden, Produkte jeglicher Art einzubinden. Meine ganz eigene Art und Bildsprache soll dann natürlich klar erkennbar sein in den Zusammenarbeiten. Ein paar Marken, die man auf jeden Fall herausstellen kann sind Instagram, Fujifilm Mexico und What to Eat.

 

*Aktuelle Zahlen zum Redaktionsschluss

Copyright: Alle Fotos sind urheberrechtlich geschützt und Eigentum von Daniela Constantini.