Lisa Tihanyi aus Mainz ist das beste Beispiel dafür, dass man mit viel Herzblut und Leidenschaft sein Hobby zum Beruf machen kann. Ihr DIY-Blog Mein Feenstaub zählt zu den bekanntesten Kreativblogs Deutschlands – gleichzeitig begeistern die Fotos ihrer Projekte auf Pinterest ein internationales Publikum. Ihr Markenzeichen ist dabei, neben besonders vielen farbenfrohen Ideen, der Kaktus. Ihrer Lieblingspflanze kann Lisa nur selten widerstehen und das spiegelt sich auch in einigen ihrer DIY-Projekte, wie zum Beispiel der selbstgemachten Kaktus-Lampe oder einer Kaktus-Vase aus Holz, wieder.

Seit der Gründung ihres Blogs wurde Lisa in sämtlichen gängigen Medienformaten gefeatured. Neben Artikeln über sie in Magazinen wie JOY und Bravo, gibt es Mein Feenstaub auch im Hardcover: Drei eigene DIY-Bücher hat sie bisher veröffentlicht. Doch damit nicht genug. Zahlreiche Radioauftritte und etliche Projekte im Fernsehen folgten auf dem Fuß – Lisa ist inzwischen ein echter Profi in sämtlichen Bereichen.

Wir haben Lisa gefragt, ob sie uns hinter die Kulissen ihres Werdeganges blicken lässt und sie gebeten, uns unter anderem ihre liebsten bisher umgesetzen Projekte vorzustellen. Zusätzlich zu den DIY-Themen setzt sich Lisa auch mit Tierschutz und Nachhaltigkeit auseinander, was wir unter anderem in ihrem aktuellen Jahresprojekt beispielhaft vor Augen geführt bekommen. In ihrem Interview verrät uns Lisa mehr dazu. Wer sich mit Lisa und Mein Feenstaub beschäftigt, der kann nicht anders, als selbst zu Säge und Farbe zu greifen und sich vom Bastelfieber anstecken zu lassen – oder aber das eigene Konsumverhalten zu reflektieren. Aber lest selbst, was Lisa von sich erzählt.

Wann hat deine Liebe zu DIY begonnen? Hast du schon immer viel selbst gemacht oder gab es einen bestimmten Punkt, an dem du damit angefangen hast?

Ich bin schon immer total kreativ gewesen – als ich klein war, konnte man stundenlang seine Ruhe vor mir haben, wenn ich nur genug Farbe und Papier hatte. Das hat sich nie geändert. Ich probiere mich am liebsten durch alle möglichen Materialien und lerne so gern neue Techniken kennen, sodass es nie langweilig wird.

Erzähl uns doch ein wenig über deinen Blog, wie alles begann und wann du ihn professionalisiert hast.

Als ich eigentlich meine Magisterarbeit in Soziologie hätte schreiben sollen, fiel mir nach vielen Stunden in der Bibliothek irgendwann die Decke auf den Kopf. Ich hatte keine Lust mehr auf Quellenrecherche, auf Fußnoten und auf soziologische Theorie, sondern wollte lieber etwas mit den Händen machen, nachdem ich so lange Bücher gewälzt hatte. Nun, es ist nicht bei „etwas“ geblieben, sondern ich habe mich dekotechnisch so richtig ausgetobt und gemerkt, wie sehr mir das in der ganzen trockenen Abschlussarbeitszeit gefehlt hatte. Und da dachte ich: Ach, wenn du ohnehin schon so viel selber machst, stell das doch einfach mal ins Internet. Mein erstes DIY-Projekt im Blog war ein kleines Gewürzregal, das ich grün angemalt habe.

Dass tatsächlich mal jemand meinen Blog lesen würde, der weder zu Freunden, noch zur Familie zählt – damit hatte ich ganz und gar nicht gerechnet. Und dass ich davon leben können würde – damit hatte ich schon zehnmal nicht gerechnet. Ich habe weder mit Businessplan noch mit Gewinnerzielungsabsichten gestartet. Ich habe ganz einfach leidenschaftlich gerne gebastelt und wollte diese Leidenschaft mit anderen teilen, sie inspirieren und mitreißen, selber loszulegen.

So wurde ich nach und nach natürlich auch besser darin, meine Projekte zu fotografieren und zu präsentieren – und mir das technische Drumherum beizubringen, zum Beispiel wie ich online überhaupt gefunden werde. Damit habe ich mich anfangs null beschäftigt, mittlerweile bin ich bei der Google-Suche nach „DIY Blog“ auf Platz 1. Ich habe von Beginn an einfach unfassbar viel Herzblut in meinen Blog gesteckt und wollte in dem, was ich mache, immer noch besser werden. Und ich denke, dass man das wohl gemerkt hat. Nach vielleicht drei Jahren ging es so richtig los mit Kooperationen, dann kam das Fernsehen auf mich zu. Im letzten Jahr habe ich mich intensiv auf DIY-Workshops konzentriert, die ich regelmäßig halte – und mittlerweile kann ich vom Bloggen leben.


Was empfindest du – im Vergleich zu anderen Blog-Nischen wie Fashion, Food oder Travel – als besonders/anders/einzigartig am DIY-Blog? Welche Herausforderungen siehst du im Vergleich?

Ich denke, jede Blog-Nische hat ihre ganz eigenen Herausforderungen. Ich habe tatsächlich am Anfang auch Food mitgemacht und manchmal gezeigt, was ich gekocht oder gebacken habe. Ich bin in der Küche aber echt nicht gut und habe es dann gelassen und mich lieber auf das konzentriert, was ich wirklich am besten kann: selbermachen! Deshalb habe ich für jeden Respekt, der sich für sein Herzensthema und seine Leidenschaft einen Blog aufbaut und pflegt!

Das einzige, womit die DIY-Nische gefühlt etwas hinterher ist, ist das Verständnis bei Kooperationspartnern. Ich glaube, es gibt kaum eine andere Nische, in der man so viele Anfragen bekommt, ob man für ein Produkt, das 3,50 Euro wert ist, ein hochwertiges Advertorial mit DIY-Idee und Fotostrecke erstellen möge. Was, wenn man vom Bloggen lebt, eben nicht geht.

Wie kommst du auf deine Projektideen?

Meine Projektideen entstehen meist ganz spontan – ich schlendere zum Beispiel total gerne durch den Baumarkt und lasse mich inspirieren! Meist komme ich mit mindestens einer neuen Idee wieder raus.

Welches waren deine Top 3 Projekte, die du bisher umgesetzt hast und wieso?

Drei meiner absoluten Lieblingsprojekte sind mein Instax-Kalender, den ich aus Holz und Sofortbildern gefertigt habe, meine selbstgenähte galaktisch schimmernde Bucket-Bag und meine Kaktus-Lampe mit LEDs, die ich ausgesägt habe. Das sind die ersten drei Lieblingsprojekte, die mir eingefallen sind, aber ich mag so viele DIY-Ideen total gerne.

Meine liebsten Projekte messe ich daran, ob sie immer noch in Benutzung sind: Mein Instax-Kalender steht auf meinem Schreibtisch, meine Kaktus-Lampe leuchtet mich an und meine Bucket-Bag benutze ich fast jeden Tag! Ich finde es immer wichtig, als DIY-Blogger keinen Ramsch zu produzieren, sondern die Sachen wirklich zu nutzen oder eben zu verschenken. Da mir Nachhaltigkeit sehr am Herzen liegt, würde ich nie nur ein Projekt „produzieren“, um es zu zeigen, ohne dann eine Verwendung dafür zu haben.


Du hast dir vorgenommen, in 2018 keine Kleider zu kaufen. Erzähl uns doch ein wenig über dieses Projekt und wie es dazu kam.

Ich dachte schon sehr lange darüber nach, so ein Projekt zu starten. Im Herbst des letzten Jahres wurden die Angebote des Black Friday für Sales auf sämtlichen Onlineshops rausposaunt. Da merkte ich, wie sehr sich alles in mir dagegen sträubte, diese Angebote zu nutzen Ich wollte auf dieser Konsumwelle einfach nicht mitreiten. Mir geistern schon lange die schlimmen Produktionsbedingungen in der Textilindustrie durch den Kopf. Und viele von uns haben sich ein Konsumverhalten antrainiert, das völlig unreflektiert ist. Viele Onlinekäufe befriedigen einfach nur ein momentanes Bedürfnis, manche Sachen trägt man nie.

Deshalb habe ich beschlossen: Ich kaufe 2018 einfach mal gar nichts – alles, was ich möchte, nähe ich selbst. Wer meine konsumfreie Reise dieses Jahr miterleben will, kann hier alles über das Projekt erfahren – jeden Monat gibt es ein neues Thema, über das ich diesbezüglich schreibe. Bis jetzt läuft’s gut, aber das Jahr hat ja auch erst begonnen.

Welche Entwicklungen oder Veränderungen würdest du dir für die DIY-Szene oder die Blogger-Szene allgemein wünschen?

Ich muss sagen, in meiner DIY-Blogger-Blase ist der Zusammenhalt richtig schön – wie es in anderen Blogger-Blasen ist, kann ich nicht beurteilen. Wir helfen uns gegenseitig, wenn wir uns unsicher sind, und motivieren uns. Was ich mir für Kooperationen in der DIY-Szene wünsche, ist mehr Verständnis von potenziellen Partner. Von einem kostenlosen zugesandten Motivlocher, für den ich ein unbezahltes Advertorial entwickeln soll, kann ich meine Miete leider nicht bezahlen. Ich habe das Gefühl, in anderen Bereichen – so wie Fashion oder Food – sind die Unternehmen da schon weiter! Natürlich gibt es viele tolle Ausnahmen, mit denen ich bereits zusammenarbeite. Ich bin sehr gespannt, wie sich die Szene entwickelt. Es ist auf jeden Fall ein spannender Bereich mit ganz viel Potenzial.

Wir danken Lisa für den interessanten Einblick in ihre Arbeit als DIY-Bloggerin und hoffen, dass sie uns auch zukünftig mit vielen neuen Ideen zum Upcycling und Selbermachen anregt. Ihr Instax-Tischkalender steht zumindest bei uns jetzt ganz oben auf der To-Do-Liste.

 

*Aktuelle Zahlen zum Redaktionsschluss

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