Wir sind stets Feuer und Flamme für diejenigen, die ihre Leidenschaft gefunden haben und vollends darin aufgehen können. Wer es dann noch schafft, aus dem Hobby ein berufliches Standbein aufzubauen, hat sich seinen Respekt redlich verdient. Susanna Risser, die Gründerin des erfolgreichen Instagram-Kanals @ladycascades, ist so eine Person. Vor sieben Jahren hat sie mit dem Fotografieren begonnen – inzwischen ist es ihr Beruf, den sie mit Leidenschaft neben ihrer Aufgabe als Mutter von Zwillingssöhnen mit Bravur meistert. Wir haben Susanna im Interview zur Fotografie, zur Mutterschaft und zu den Vorteilen von Social Media für ihren Job befragt.

 

Susanna, du bist eine tolle Fotografin. Erzähl uns doch ein wenig über deinen beruflichen Werdegang. Wann und wie hast du begonnen, dich für Fotografie zu interessieren und wie ist es dann zu deinem Beruf geworden?

Vielen Dank für das Kompliment! Das freut mich sehr. Fotografie ist für mich vor etwa sieben Jahren zu einem Thema geworden, als mir meine alte Sony Kamera in die Hände gefallen ist, die bis dahin im Regal nur ein Staubfänger war. Ich dachte, dass ich neben dem Malen mit Wasserfarben noch ein weiteres kreatives Ventil gebrauchen könnte. Ich war mit meiner Kunst nie zufrieden, als ich Malerin war; ich zweifelte meine Werke immer an und fragte mich, ob andere sehen würden, was ich sah oder ob sie sie überhaupt mochten.

Aber mit der Fotografie war das ein Klacks. Ich hörte auf, ständig an mir zu zweifeln und das gab mir unheimlich viel Freiheit. Ein paar Jahre später reißen sich die Leute darum, dass ich sie fotografiere. Deswegen habe ich meinen Vollzeit-Job als Ästhetikerin aufgegeben und Lady Cascades Photography gegründet. Inzwischen arbeite ich seit fünf Jahren als hauptberufliche Fotografin. Ich liebe meine Arbeit und fühle mich überglücklich, dass ich so weit damit gekommen bin.

Auf deiner Webseite sagst du, dass Fotografie für dich eine Form der Selbstentfaltung ist. Was ist für dich wichtig, wenn du fotografierst, wonach suchst du in einem Bild und welche Botschaft sollen deine Fotos überbringen?

Wir ihr deutlich sehen könnt, folgen meine Bilder eher einem düsteren Stil. Früher habe ich unter starken Depressionen gelitten und meine Fotos reflektieren meinen damaligen Gemütszustand. Wenn Leute das lesen, wundern sie sich immer – denn heute bin ich tatsächlich sehr kontaktfreudig und positiv. Meine düsteren, dunklen Fotos zeigen, was ich durchgemacht habe und woher ich komme.

Mit Bildern, die den Betrachter bewegen, ihn fesseln und die Gefühle rüberbringen, kann ich persönlich am meisten etwas anfangen. Ich möchte, dass mein Publikum etwas fühlt, wenn sie meine Fotos ansehen. Sie sollen erkennen, dass es eine Geschichte hinter den Bildern gibt – und es geht viel mehr um das, was sie fühlen, als um das, was sie sehen.

Zusammen mit Christine Farmer hast du das Abide Photo Retreat ins Leben gerufen. Kannst du uns erklären, was das genau ist, welche Menschen du damit erreichen möchtest und was die Teilnehmer dabei erreichen sollen?

Christine ist wahnsinnig talentiert und wir haben eine wundervolle Verbindung zueinander. Auf einem gemeinsamen Roadtrip durch Oregon kamen wir auf die Idee, einen Workshop zu organisieren. Aber der Ausdruck Workshop hat uns beiden nicht gefallen. Workshop hört sich nach, nun ja, nach Arbeit ein. Und von zwei Müttern mit mehreren Kindern und mit einer Karriere kommend, wollten wir genau das vermeiden. Es hörte sich einfach anstrengend an. Aber eine Auszeit… wer will keine Auszeit haben?

Und das ist es auch: Unser Ziel ist es, Inspiration zu bekommen und Wissen durch Ruhe aufzusaugen, nicht durch Arbeit. Alle Künstler, wie wir, benötigen unbedingt diese Ruhe. Wir brauchen Zeit, die wir nicht mit Gedanken an unser kleines Unternehmen verbringen. Wir brauchen Zeit, weit ab von unserer gewohnten Umgebung. Wir brauchen Zeit, um uns wieder daran zu erinnern, wer wir sind und was uns kreativ streben lässt.

Das gesamte Wochenende ist dazu da, unsere Leidenschaft und Inspiration wieder zu wecken. Wir erhoffen uns, dass uns die teilnehmenden Frauen nach dem Wochenende hellwach, ermutigt und voller Ideen wieder verlassen. Nicht zu verachten ist auch, dass wir einen tollen Koch haben, der uns verköstigen wird. Und wir befinden uns mitten im Nichts, in einer atemberaubenden Hütte. Wir freuen uns wirklich sehr darauf!

Gibt es ein bestimmtes Bild oder Shooting, an das du dich immer erinnern wirst, weil es so besonders war? Möchtest du ein bestimmtes Foto machen oder ein besonderes Shooting umsetzen, von dem du schon lange träumst?

Ich glaube, jedes Shooting, das ich jemals gemacht habe, ist mein Liebstes – ha! Für mich geht es nicht um steife und stagnierte Posen, das ist einfach nicht authentisch. Gib mir das Echte! Zeig mir, was dein Herz höher schlagen lässt. Ich möchte das rohe, unbearbeitete, das banal alltägliche Leben einfangen – weil es wunderschön ist. Familien-Lifestyle Fotoshootings sind mein Favorit. Ich liebe Kinder. BRINGT MIR ALLE KINDER! Etwas, das ich gerne vertiefen möchte, ist die Fotografie von Geburten. Emotionaler geht es kaum mehr. #DREAMS

Du bist nicht nur Fotografin, sondern auch Mutter von Zwillingssöhnen. Wir glauben, dass es oft eine Herausforderung sein kann, Karriere und Familie unter einen Hut zu bekommen. Wie hat sich dein Leben verändert, nachdem du Kinder bekommen hast, was für eine Erfahrung war das für dich? Hast du Tipps für Mütter, die versuchen, ihre Leidenschaft in einen Beruf zu verwandeln und die gleichzeitig – wie du – eine gute Mutter sein möchten?

Mutter zu sein ist das Beste, was mir bisher passiert ist. Uns passiert ist. Für meinen Mann und mich war es nicht leicht, wie für andere Paare. Es dauerte seine Zeit. Aber als Gott beschloss, dass es Zeit war, war es perfekt. Es ist der härteste Job, den man jemals machen wird. Es ist anstrengend und beraubt dich all deiner Energie. Du trägst die Welt auf deinen Schultern und deine Arbeit ist niemals vorbei. Du hast keine Freiheit mehr. Aber es ist das Einzige, wonach sich dein Herz wirklich sehnt. Man würde es nicht für das Universum eintauschen wollen.

Eine Balance zwischen dem Mutterdasein und einem Vollzeit-Job als Künstlerin zu finden, war nicht einfach. Aber wir haben einen strengen Ablauf entwickelt, der mir erlaubt, zwischen Mutter- und Arbeitsmodus zu wechseln. Als die Jungs vier Monate alt waren, haben wir eine strenge Regelung bezüglich Schlafenszeiten eingeführt. Seitdem gehen sie um 18.30 Uhr ins Bett. Wenn sie schlafen, fange ich an zu arbeiten: Manchmal heißt das, unterwegs sein und fotografieren oder am Laptop sitzen und Fotos bearbeiten. Ich arbeite ab dem Zeitpunkt, wenn sie schlafen, bis etwa 23 Uhr abends. Das mache ich, damit ich für meine Kinder da sein kann, wenn sie wach sind. Das wird sich sicher wieder ändern, wenn sie älter werden, aber das funktioniert für uns momentan am besten.

Mein Rat für alle arbeitenden Mütter ist es, zu versuchen, Zeit für sich selbst und für den Partner (sofern vorhanden) zu finden. Vernachlässigt nicht die Beziehungen in eurem Leben. Arbeit sollte immer an dritter oder vierter Stelle stehen. Aber selbst, wenn sie an fünfter oder sechster Stelle steht, gebt immer hundert Prozent!

 

Dank deiner tollen Fotos ist dein Instagram Account sehr erfolgreich. Hat Social Media einen Einfluss auf deinen Beruf oder die Leute, die du damit erreichst?

Ohne den Erfolg auf meinem Instagram-Account wäre ich vermutlich nicht so bekannt. Ich weiß, dass ich immer noch der gleiche Künstler mit den gleichen Visionen und Träumen, aber dass meine Kundschaft ohne die Plattform wohl nicht so weit verbreitet wäre. Der Erfolg hat mir erlaubt zu reisen, Teil von tollen Events und Kooperationen mit großen Marken (Gap, Clekinc, Ona Bags, UppaBaby, Traeger Gills, Fount Leather und so vielen mehr) zu sein.

Ich bin so dankbar für die Fülle an Möglichkeiten und die Menschen, die ich damit erreicht habe. Ich fühle mich sehr gesegnet und hoffe, dass ich Instagram als visuelle Zuflucht für andere Künstler, Mütter und Kreativköpfe nutzen kann. Ich hoffe, es nur für Gutes zu nutzen und andere in ihrem Beruf zu ermutigen. Wie könnte ich es nicht für etwas Positives nutzen?

Ich gebe mein Bestes, um so zugänglich und transparent wie möglich zu sein. Ich finde nicht, dass irgendjemand sein wahres Gesicht verstecken sollte. In der Kunst geht es um Selbstdarstellungen und Instagram ist ein gigantisches Ventil für Kreativität. Ich habe das Glück in einem Land zu leben, in dem ich mich ausdrücken und entfalten kann, wie ich möchte – ohne, dass es illegal ist. Das hört sich seltsam an, aber es ist wahr. Wir haben eine Stimme und sind frei, diese zu nutzen. Freiheit ist nicht umsonst. Aber wer in Amerika lebt, hat viel Freiheit. Ich glaube, wir haben alle viel, für das wir dankbar sein können – findet ihr nicht?

Folgst du einer bestimmten Strategie für deine Social Media Kanäle oder postest du einfach willkürlich die Fotos, auf die du gerade Lust hast?

Ich habe ein paar Strategien. Aber obwohl ich weiß, wie Social Media tickt, ist mein bester Tipp einfach das zu posten, was man möchte und wann man möchte. Kümmere dich nicht darum, ob es anderen gefällt oder wie viele Likes du dafür bekommst. Sei dir immer selbst treu. Gib dein Bestes, dich nicht mit anderen zu vergleichen. Vergleiche sind die Räuber der Freude. Lass dein inneres Selbst strahlen und lass es alle sehen. Immerhin ist keiner wie du und das ist deine Superpower.

Wir danken Susanna für ihre Zeit, uns hinter die Kulissen blicken zu lassen und uns zu zeigen, was Lady Cascades ausmacht. Ihre Fotografien sind wunderbar inspirierend und wir hoffen, dass noch viele Menschen sie für ihre Fotos engagieren werden und damit einen echten, wahren Ausschnitt ihres Lebens in Form von Bildern bewahren können.

 

*Aktuelle Zahlen zum Redaktionsschluss

Copyright: Alle Fotos sind urheberrechtlich geschützt und Eigentum von Susanna Risser.