Wenn Christian Watson eine Zeit nennen müsste, in der er am liebsten leben würde, dann wäre es sehr wahrscheinlich das 20. Jahrhundert. Er bezeichnet sich selbst als einen starken Verfechter der Epoche zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert, dem Zeitalter der modernen Industrialisierung, welche ihn und seine Lebenseinstellung tief beeinflusst hat. Was er auch tut oder wie er arbeitet, der Lebensstil des amerikanischen Westens hat Christian in jeder Hinsicht merklich geprägt. Es ist, als würde er sich zurücksehnen in die damalige Zeit, was sich auch signifikant in seiner Arbeit mit traditionellen Handwerksgegenständen widerspiegelt.

So ist er selbst zu einem modernen Relikt dieser vergangenen Tage geworden, einer wahrlich einzigartigen Persönlichkeit, die bereits in jungen Jahren viel erlebt hat. Man könnte ihn als den vielseitigen, kreativen Kopf hinter der Agentur 1924.us beschreiben, als einen Illustrator, Fotografen, Sammler, Abenteurer und Geschichtenerzähler, über den es noch soviel mehr zu erfahren gibt. Seid also gespannt, was sich hinter Christian und 1924.us verbirgt.

Wie alles begann…

Christian ist in einer Kleinstadt in Virginia zur Welt gekommen und zog später mit seiner Familie nach Myrtle Creek in Oregon, wo er die meiste Zeit seiner Jugend verbrachte. Myrtle Creek ist umgeben von großzügigen Wäldern und Tälern, die von reißenden Bächen durchzogen werden. Dieser einzigartige, verwunschene Ort und die enge Bindung zur Natur haben Christian bis heute geprägt. Nach seinem Schulabschluss zog es ihn nach Boston, da er dort Architektur studieren wollte, doch schon kurz darauf entschied er sich, einem Leben als freischaffender Künstler und Illustrator nachzugehen. Er wählte Portland als seine neue Heimat und gründete im Jahr 2009 das Design Studio 1924.us.

„Seit meiner Kindheit habe ich diesen Ehrgeiz und die Kreativität gehabt – es hat, denke ich, etwas mit meiner Fantasie zu tun. Denn wächst man in einem bewaldeten, kleinen Gebiet im Süden Oregons auf, wo es oft nicht mehr als Regen und Nebel gibt, dann muss man sich etwas einfallen lassen und das habe ich getan. Zeichnen, designen, fotografieren und Dinge erschaffen, all das hat mich immer interessiert und geschult. Und als ich älter wurde, habe ich mir immer eine Plattform gewünscht, auf der ich all das teilen kann.“Christian Watson | Quelle: 1924.us

Die Geschichte hinter 1924.us

Mit seiner damaligen Freundin gründete Christian einst einen Blog, aus welchem die Website 1924.us entstand als die Beziehung auseinander ging. Schon damals war die Webseite ganz dem Lifestyle der sogenannten „early-era livers“ gewidmet. Der Name 1924.us ist inspiriert durch Christians Großeltern, die ihn immer in seiner Liebe zu den Zwanziger Jahren unterstützten. Sein Großvater schenkte ihm einmal ein kleines Taschenbuch, auf welches die Zahl 1924 gedruckt war. Das Buch ist ein Vermächtnis seiner Vorfahren, das ihn immer an seine Herkunft erinnert.

Über die Jahre hinweg entwickelte Christian seinen ganz eigenen Zeichenstil und aus dem Blog wurde eine kleine Agentur, die sich ganz und gar den traditionellen Arbeitsmethoden des 20. Jahrhunderts verschrieben hat – egal ob beim Brand Design, der Illustration, der Fotografie oder beim Sammeln und Archivieren von historischen Gegenständen.

Auf seinen vielen Reisen und Exkursionen sammelte Christian antike Stücke als eine Art Inspirationsquelle, akribisch archivierte er all diese Utensilien, um so eine noch stärke physikalische Bindung zu dieser für ihn so faszinierenden Epoche aufzubauen. Viele dieser Dinge bilden die Grundwerkzeuge seiner Arbeit, von traditionellen Zeichenwerkzeugen bis hin zu einer unglaublichen Sammlung an alten Leica Kameras. Auf seinen Reisen sammelten er und sein Team unaufhörlich historische Fundstücke, die er auch in seinem Online-Shop anbietet. Alle Grafikarbeiten entstehen ausschließlich in Handarbeit, nur mit herkömmlichen Werkzeugen aus der Zeit vor und um das 20. Jahrhundert. Mit den einfachsten Mitteln erschaffen Christian und sein Team liebevoll handgezeichnete Illustrationen und kalligraphische Schriftzüge. Trotz seiner ursprünglichen Lebensweise suchte Christian immer nach einem Weg, seine Arbeit mit der Welt zu teilen und schon früh hat er viel über sich und sein Leben in den sozialen Netzwerken geteilt.

„Unsere Mission ist es, die vielen Sinne für das Schöne, die in der heutigen Welt existieren und gedeihen, einzufangen, um uns in alten Tagen ein Gefühl für Werte zu geben. Dabei nutzen wir streng nur die Techniken, welche die gestalterischen Grundlagen der Menschen seit über einem Jahrhundert prägen.“Christian Watson | Quelle: 1924.us

Christian hat seine ganz eigene Welt erschaffen, die auf viele Menschen eine magische Anziehungskraft ausübt, sodass er mehr und mehr zu einem Produkt seiner selbst wurde. Mit allem was er tut, ist er unglaublich hingebungsvoll sowie leidenschaftlich und er scheint immer von seinem Ehrgeiz und Entdeckertum getrieben zu werden. Er sieht sich selbst als einen Wandersmann, einen Abenteurer, der nicht perfekt ist, in dem was er tut, der aber stets bereit ist zu lernen und hart zu arbeiten. Das Reisen und die enge Verbindung zur Natur sind ein wichtiger Bestandteil dieses immerwährenden Schaffensprozesses. Alles was ihn umgibt, wird zu einem integralen Teil seiner Arbeit und zu ihm selbst, von seinen Tattoos, seinem Motorrad bis hin zu der amerikanischen Arbeiterkleidung.

Wenn man 1924.us folgt, fühlt es sich an wie eine Reise in vergangene Zeiten, weit weg von der Reizüberflutung des modernen Technologie-Zeitalters, welches unser Leben bestimmt. Vielleicht ist aber auch genau das der Zwiespalt, in dem sich Christian oft wiederfindet. Durch Social Media wurde er schon in seinen jungen Jahren schnell bekannt und erfolgreich – vielleicht zu schnell? Mit seiner offenen und authentischen Art und Weise, teilte der oft nachdenkliche und emotionale Weltenbummler alle seine Gedanken mit seinen Followern und er eroberte Instagram mit bis zuletzt über 600.000 Followern im Sturm. Er erschuf ein Abbild seiner selbst, dem er dann aber vielleicht nicht mehr gerecht werden konnte oder wollte. Umso mehr er versuchte, so authentisch wie möglich zu sein und umso perfekter er die Bilder von sich inszenierte, umso weniger hatte Christian das Gefühl, wirklich er selbst zu sein. Erst kürzlich entschied er sich seinen Instagram Account zu löschen und der Social Media Welt den Rücken zu kehren. Um seine Entscheidung besser zu verstehen, sollte man seine sehr ausführlichen Statements lesen – hier nur ein kurzer Auszug:

„Ich mache keinen Cut mit den herzlichen Menschen, die mir folgten und die sich wirklich in der Wahrheit meiner Arbeit wiedergefunden haben. Es ist mehr eine ehrliche Überprüfung der dunkleren Seite, von dem, was da vor sich ging, während so viele auf Like or Follow klickten.“Christian Watson | Quelle: 1924.us

Für Christian geht das Leben auch ohne Social Media weiter, das ist sicher. Erst kürzlich hat er seiner Freundin Elle-May einen Heiratsantrag gemacht und auf seinem Blog macht er auf viele neue Projekte mit 1924.us aufmerksam. Unter anderem arbeitet er an einem Buch und auch auf seine offenherzigen Geschichten werden wir nicht verzichten müssen, denn Christian verspricht, dass er uns über seine Abenteuer weiterhin auf dem Laufenden halten wird. Wir sind gespannt und werden Christian Watson auch weiter auf seinem Weg begleiten.

 

*Aktuelle Zahlen zum Redaktionsschluss

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